C. miniata 'Mares Yellow' C. miniata `Eshowe Yellow' C. miniata 'Natal Yellow' C. miniata 'Noyce Yellow' C. miniata 'Jaap Keijzer'

Die Geschichte der Gelben Clivia miniata

Ich kenne keinen Pflanzenfreund, der kein erstauntes Gesicht gemacht hätte, als er zum ersten Mal eine gelb blühende Klivie zu sehen bekam. Diese Farbe ist bei den Klivien so selten und unbekannt, dass ich schon gefragt wurde „Sind diese Blüten wirklich echt?“

Kein Wunder, denn die Mitglieder dieser Pflanzenfamilie sind bekannt durch ihre orange bis hellroten Trichterblüten. Man sieht Klivien vor allem im Frühjahr in Gartencentern, ja in Baumärkten angeboten. Außerdem sind sie schon viele Jahrzehnte mit die beliebtesten Zimmerpflanzen überhaupt, also gut bekannt.

Und doch gibt es gelb blühende Formen. Es handelt sich dabei um Farbmutationen der altbekannten Art Clivia miniata, welche einmal an ihren natürlichen Standorten in Südafrika gefunden wurden und noch immer gefunden werden.

Die Geschichte dieser Gelben ist schon sehr alt. Als Beispiel hierfür möchte ich eine solche Clivia miniata vorstellen, die schon vor gut 120 Jahren im Entumeni-Wald bei Eshowe entdeckt wurde. Sie ist in der Folgezeit durch mehrere Hände gegangen und dabei mit verschiedenen Namen belegt worden. Da ist zunächst der Name Clivia miniata var. citrina, den ihr die Wissenschaft gab. Aber auch der heute geläufige Name Eshowe-Yellow ist ihr eigen. Andere Quellen sprechen auch von Howick-Yellow.

Dieser Klon befindet sich noch immer in Kultur. Er ist in dieser langen Zeit durch die Teilung in viele Hände gelangt und erfreut seine glücklichen Besitzer durch die wunderschönen Blüten. Eine weitere und sehr alte Gelbe ist Natal Yellow, gefunden von einer in Südafrika lebenden Pflanzenfreundin nahe Richmond, Kwazulu-Natal, Südafrika, Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Klivie ist in ihrer langen Geschichte viel vermehrt und verbreitet worden.

Mares Yellow, ebenfalls Howick-Yellow, so genannt wegen ihres Fundortes am Fuße des Howick-Wasserfalles, stammt aus dem Jahre 1891. Sie wurde einmal von einer früheren Besitzerin als wunderschöne Klivie wegen ihrer tief-buttergelben Blüten ohne Spur von Orange bezeichnet.

Im Verlauf dieser langen Zeit des Interesses an Klivien in Südafrika wurde eine Vielzahl dieser gelb blühenden Abarten an ihren Wuchsorten Südafrika gefunden. Manche durch Zufall, andere wieder durch gezielte Suche. Beispiele hierfür sind Dwesa Yellow mit ihren kleineren, heller gelben Blüten. Selbstbestäubung ergibt Fruchtbeeren mit nur einem großen Samenkorn. Andere sind King Hamelin Yellow aus Kwazulu-Natal. King Hamelin war Natur/ Wanderführer in Kwazulu-Natal und fand diese Gelbe auf einer seiner Touren im Busch auf seiner Farm. Die Pflanze sprosst leicht, ist aber etwas empfindlich an der Wurzel und bis heute kaum vermehrt worden.

Byrne Valley Yellow aus dem Byrne-Tal, gefunden zwischen 1925 und 1935, besitzt attraktive, hellgelbe, sternförmige Blüten von großem Reiz und befindet sich heute noch in Familienbesitz, ist jedoch leider noch nie vermehrt worden.

Blinkwater Yellow vom gleichnamigen Fluss, etwa 1960 gesammelt, besitzt hellgelbe Blüten in offener Trompetenform. Diese Klivie wurde sofort in verschiedene Zuchtprogramme aufgenommen, weil sie die gute Eigenschaft der Reinerbigkeit bei Selbstbestäubung besitzt und zudem gut für Fremdpollen aufnahmefähig ist.

Crookes Yellow, nach ihrem Entdecker benannt, bedauerlicherweise ebenfalls eine wenig bekannte Pflanze, wurde auch in Kwazulu-Natal/ Südafrika gefunden.

Mpumulu Yellow, in den späten 1950er Jahren von einem Klivienkenner anlässlich seiner Motorradtour gefunden, zeigt im Dezember/ Januar ihre mittelgroßen, sternförmigen Blüten. Der Klon sprosst reichlich, ist aber auch bis heute kaum verbreitet worden.

Alle diese Gelben Klivien sind keine Züchtungen, also Hybriden, sondern in der Natur gefundene Farbmutationen. Sie wachsen oft mitten in Kolonien normalblütiger Artgenossen. Ihre Mutationsnatur zeigt sich manchmal darin, dass Samenvermehrungen nicht in der Farbe ihrer Elternpflanzen blühen, sondern auch Mischfarben zeigen können, was mitunter ganz interessante Ergebnisse hervorbringt. Reinerbig sind die meisten dieser Gelben somit nur durch Teilung weiter zu vermehren. Und genau hier liegt oft der Hemmschuh für die schnelle Verbreitung, denn verständlicherweise gibt es viel mehr Interessenten an diesen Besonderheiten als überhaupt Ableger produziert werden können. Und doch gibt es einige Klone, die sich reinerbig durch Samen vermehren lassen. Zum Unterschied zur Normalform der Clivia miniata, die ja bekanntlich rote Fruchtbeeren ausbilden, sind diese bei den Gelben ebenfalls gelb.

In Kwazulu-Natal hat sich eine Gruppe von Klivienfreunden herausgebildet, die sich der Erhaltung dieser in der Natur gefundenen, andersfarbig als Orange blühenden Klivien verschrieben hat. Der Initiator dieser sogenannten „Heritage-Collection" (kann mit Naturerbe-Sammlung übersetzt werden) ist ein Farmer und Berufsgärtner namens Sean Chubb. Extreme Klivienfreunde sind sie aber alle in der Gruppe. Natürlich gibt es heute eine Vielzahl von Hybriden, sowohl mit, als auch unter diesen Gelben. Die Gruppe um Sean Chubb hat es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, diese teilweise weit verstreuten Wildklone aufzuspüren, zu dokumentieren, in ihre Heritage-Collection einzubringen und zu erhalten.

Sean Chubb schreibt einmal sinngemäß in der Publikation der Clivia-Society of South-Africa, dass er schon seit vielen Jahren versuche, die Spur dieser Wildklone, besonders die Farbmutationen von den Originalstandorten in Südafrika, aufzufinden. Es wäre ihm dabei augenscheinlich geworden, dass die meisten dieser historischen Pflanzen schon wieder verloren gegangen seien oder irgendwo in Sammlungen verkannt werden. Er hätte schon früh damit begonnen, diese zusammengesuchten Klivien als seine Heritage-Collection zu bezeichnen und so viele wie möglich dieser alten Klone zu retten und zu erhalten.

Später einmal schreibt er davon, dass die Verschiedenheit in der Familie der Klivien in den natürlichen Populationen an den Standorten begründet sei und dass die Erhaltung der bisher in diese Sammlung aufgenommenen Originalpflanzen jede Anstrengung rechtfertige. Er sehe auch die Zukunft der Klivien-Zucht überhaupt in der Erhaltung dieses natürlichen Genpools.

Unbestritten haben Klivien einen hohen Zierwert für die Pflanzenliebhaber. Das trifft in ganz besonderem Masse für diese gelbblühenden Kostbarkeiten zu. Es wäre wünschenswert, dass sich mehr Interessenten dafür fänden, sie in Kultur zu nehmen und ihre Erfahrungen damit auszutauschen.

R. Bölderl